Projekt „Museen verbinden Welten“ fördert Diversität in niedersächsischen Museen

Folgeprojekt zu "Neue Heimat in Niedersachsens Museen" erweitert Teilnehmerkreis auf vierzig Museen

Das Pro­jekt „Neue Hei­mat in Nie­der­sach­sens Muse­en“ hat­te zur Leit­fra­ge „Was kön­nen Muse­en zur Inte­gra­ti­on von geflüch­te­ten Men­schen bei­tra­gen?“. Ins­ge­samt konn­ten seit Juli 2017 sie­ben Pilot­mu­se­en in ver­schie­de­nen Regio­nen Nie­der­sach­sens und aus ver­schie­de­nen Spar­ten gewon­nen wer­den, die ver­schie­de­ne Ver­mitt­lungs­for­ma­te mit und für geflüch­te­te Men­schen umset­zen. An fünf der Pilot­mu­se­en wir­ken Muse­ums­vo­lon­tä­rin­nen mit Flucht­er­fah­rung an den Pro­jek­ten mit. Die Volon­ta­ria­te wer­den im Rah­men des Son­der­pro­gramms „artists in resi­dence“ für Men­schen mit Flucht­er­fah­rung vom Nie­der­säch­si­schen Minis­te­ri­um für Wis­sen­schaft und Kul­tur mit einem Sti­pen­di­um geför­dert. Auf der Tagung „Wirk­lich nur eine Fra­ge der Hal­tung? Migra­ti­on. Diver­si­tät und Flucht­er­fah­rung: Sollen/​müssen Muse­en alles kön­nen?“ in der Bun­des­aka­de­mie für Kul­tu­rel­le Bil­dung in Wol­fen­büt­tel konn­ten die Pilot­mu­se­en ihre Pro­jek­te prä­sen­tie­ren.

Im Fol­ge­pro­jekt „Muse­en ver­bin­den Wel­ten“ – Start August 2018 – wer­den Pro­jekt­er­fah­run­gen der ers­ten sie­ben Pilot­mu­se­en dazu genutzt, um Diver­si­tät als Ouer­schnitts­the­ma im Muse­um zu den­ken, den Teil­neh­mer­kreis auf vier­zig Muse­en zu erwei­tern und in spar­ten­über­grei­fen­den Muse­umsTan­dems den Wis­sens- und Erfah­rungs­trans­fer zu unter­stüt­zen: Zu den über­ge­ord­ne­ten The­men Wer­te, Medi­en, Spra­che, Musik kön­nen Pro­jekt­for­ma­te in den musea­len Auf­ga­ben­fel­dern (Sam­meln, Bewah­ren, For­schen, Aus­stel­len, Ver­mit­teln) im Kon­text von Diver­si­tät erprobt, Ergeb­nis­se in Fach­grup­pen dis­ku­tiert und auf Regio­nal­kon­fe­ren­zen vor­ge­stellt wer­den. Die teil­neh­men­den Muse­en wer­den mit einer Vor-Ort-Bera­tung beglei­tet und unter­stützt.

Werte

  • Braun­schwei­gi­sches Lan­des­mu­se­um: Der „artist in resi­dence“, geflüch­te­ter Psy­cho­lo­ge und Doku­men­tar­fil­mer aus Marok­ko, hat einen „Drit­ten Ort“, den „Vie­w­eg Salon“, für Begeg­nung und Aus­tausch der Stadt­ge­sell­schaft im Muse­um geschaf­fen.
  • Stadt­Mu­se­um Ein­beck: Die „artist in resi­dence“, geflüch­te­te Leh­re­rin aus Syri­en, greift das The­ma Gender/​ Frau­en­rech­te im Kon­text von Migra­ti­ons­er­fah­run­gen auf und ent­wi­ckelt das Muse­um zu einem Frau­en­be­geg­nungs­ort als „Drit­ten Ort“ für Begeg­nung und Aus­tausch.

Sprache

  • Bach­mann-Muse­um Bre­mer­vör­de: In den Oster­fe­ri­en 2018 wur­de in Koope­ra­ti­on mit der Länd­li­chen Erwach­se­nen­bil­dung, den Nie­der­säch­si­schen Lan­des­fors­ten, der NABU Umwelt­py­ra­mi­de Bre­mer­vör­de und der Dia­ko­nie Bre­mer­vör­de-Zeven ein Feri­en­sprach­camp zum The­ma Stein­zeit­la­ger aus­ge­rich­tet. Ziel­grup­pe waren geflüch­te­te Frau­en mit ihren Kin­dern.
  • Muse­um Indus­trie­kul­tur Osna­brück: In den Oster­fe­ri­en 2018 wur­de in Koope­ra­ti­on mit der Grund­schu­le Evers­burg ein Feri­en­sprach­camp zum The­ma Hand­werk für geflüch­te­te und nicht geflüch­te­te Kin­der aus­ge­rich­tet.

Medien

  • Schloss­mu­se­um Jever: Das Pro­jekt BLICK-KONTAKT wur­de bis Ende 2018, rund zwölf Mona­te, von dem „artist in resi­dence“, geflüch­te­ter Film­re­gis­seur aus Syri­en, fil­misch beglei­tet – Geflüch­te­te unter­nah­men gemein­sam mit Alt­ein­ge­ses­se­nen Ent­de­ckungs­rei­sen ins Jever­land.
  • Nord­west­deut­sche Muse­um für lndus­trie­Kul­tur Del­men­horst: In dem Pro­jekt „HAYAT/​Leben – Treff­punkt Nord­wol­le!“ baut der „artist in resi­dence“, geflüch­te­ter Radio­jour­na­list aus Tune­si­en, ein Geflüch­te­ten­ra­dio im Muse­um auf.

Musik

  • Spiel­mu­se­um Sol­tau und Fel­to-Filz­welt Sol­tau: Der „artist in resi­dence“, geflüch­te­ter Musi­ker aus Syri­en, setzt in Koope­ra­ti­on mit der Hei­de­kreis Musik­schu­le ein expe­ri­men­tel­les Pro­jekt zum The­ma Filz und Klang um, musi­ka­li­sche Ele­men­te flie­ßen in die Ver­mitt­lungs­ar­beit des Muse­ums ein.

Ansatz und Ziele

Kul­tu­rel­le Teil­ha­be und Kul­tu­rel­le Viel­falt sind gesell­schafts- und muse­ums­re­le­van­te The­men. Mit einer Vor-Ort-Bera­tung wer­den die Muse­en beglei­tet und unter­stützt, um bedarfs- und res­sour­cen­ori­en­tier­te Zugän­ge zum The­ma Diver­si­tät zu fin­den: Ideen zu ent­wi­ckeln, in Kon­zep­te zu brin­gen und zu rea­li­sie­ren. Daher wird der Blick gemein­sam mit den Muse­ums­mit­ar­bei­tern auf Bedar­fe und Res­sour­cen der Muse­en gerich­tet, um indi­vi­du­el­le Ansät­ze für eine diver­si­täts­ori­en­tier­te Öff­nung zu ent­wi­ckeln. Dabei gilt das Prin­zip: „Jedes Muse­um setzt an, wo es am ehes­ten anset­zen kann!“. Ob bei der Neu­ge­stal­tung der Dau­er­aus­stel­lung und des Pro­gramms oder bei der Suche nach Unter­stüt­zung und Ehren­amt­li­chen, die Bedar­fe und Res­sour­cen der Muse­en bil­den die Grund­la­ge für Hand­lungs­emp­feh­lun­gen. Wich­tig: Pro­jek­te sol­len in Pro­zes­se über­führt und ver­ste­tigt sowie mit­tel- und lang­fris­ti­ge Schrit­te zu mehr Diver­si­tät im Muse­um gemein­sam benannt wer­den – Diver­si­tät wird als Ouer­schnitts­the­ma gedacht.

MentorenTandems /​ Stärkung des Ehrenamts

Zur Unter­stüt­zung der nach­hal­ti­gen diver­si­täts­ori­en­tier­ten Öff­nung kön­nen Men­to­ren­Tan­dems gebil­det wer­den. (Muse­ums­mit­ar­bei­te­rin­nen gemein­sam mit Ehren­amt­li­chen mit Migrationsgeschichte/​Herkunftssprachkenntnissen). Das Men­to­ren­Tan­dem­mo­dell soll ins­be­son­de­re auch klei­nen Muse­en ermög­li­chen, Mit­wir­kungs- und Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten für Men­schen mit Migra­ti­ons­er­fah­rung zu eröff­nen. Die Men­to­ren­Tan­dems erhal­ten eine gemein­sa­me Schu­lung zur diver­si­täts­ori­en­tier­ten Netz­werk­ar­beit, zu Pro­jekt­ma­nage­ment und in den klas­si­schen musea­len Auf­ga­ben­ge­bie­ten.

MuseumsTandems und Themenschwerpunkte

Zwi­schen­er­geb­nis­se des Pro­jek­tes „Neue Hei­mat in Nie­der­sach­sens Muse­en“ bestä­ti­gen, dass zum einen oft eine Stra­te­gie der Ver­ste­ti­gung von diver­si­täts­ori­en­tier­ten Ange­bo­ten fehlt und zum ande­ren in den klas­si­schen Auf­ga­ben der Muse­en Sam­meln, Bewah­ren, For­schen, Aus­stel­len und Ver­mit­teln gesell­schaft­li­che Viel­falt nicht im musea­len Arbeits­all­tag sicht­bar wird. Gleich­zei­tig erken­nen die an dem Pro­jekt „Neue Hei­mat in Nie­der­sach­sens Muse­en“ betei­lig­ten Pilot­mu­se­en, dass die gemein­sam ent­wi­ckel­ten über­ge­ord­ne­ten The­men Wer­te, Spra­che, Medi­en und Musik dazu genutzt wer­den kön­nen, geleb­te Diver­si­tät in musea­len Auf­ga­ben­fel­dern sicht­bar zu machen. Die­se vier her­aus­ge­ar­bei­te­ten The­men erschei­nen zudem geeig­net, sie einem grö­ße­ren spar­ten­über­grei­fen­den Kreis von Muse­en zugäng­lich zu machen. Das Fol­ge­pro­jekt Muse­en ver­bin­den Wel­ten schließt an die hier gewon­nen Ergeb­nis­se an, so wird der Ansatz der The­men­schwer­punkt­bil­dung auf­ge­grif­fen und durch die Bil­dung von Muse­umsTan­dems wei­ter­ent­wi­ckelt. Ziel ist es in Fach­grup­pen zu den über­ge­ord­ne­ten The­men Medi­en, Spra­che, Wer­te und Musik jeweils fünf Muse­umsTan­dems zu bil­den und somit einen Aus­tausch der Muse­en zu den jewei­li­gen The­men zu beför­dern. Nach Mög­lich­keit sol­len in allen Fach­grup­pen Muse­en aus ver­schie­de­nen Spar­ten ver­tre­ten sein.

Die Fra­ge „Über wel­che Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­ge wer­den wel­che Ziel­grup­pen erreicht?“ hat sei­nen fes­ten Platz bei den Muse­en. Vie­le Muse­en stel­len sich aber auch schon län­ger die Fra­ge „Ist es Auf­ga­be von Muse­en, sich zu gesell­schaft­li­chen Dis­kur­sen zu posi­tio­nie­ren?“ und man­che ver­tre­ten offen Wer­te.

Muse­en nut­zen ihre Expo­na­te um Sprach­an­läs­se zu schaf­fen, sie sind aber auch wie es das Bei­spiel von Hei­mat­mu­se­en zeigt, Orte wo Spra­che zu erhal­ten ver­sucht wird, wie das Platt­deut­sche und es gibt Ansät­ze Muse­ums­päd­ago­gik und Musik­päd­ago­gik zusam­men­zu­den­ken. Durch das Auf­grei­fen der über­ge­ord­ne­ten The­men Wer­te, Spra­che, Medi­en, Musik wird es für Muse­en aller Spar­ten, klein oder groß, ein­fa­cher, einen Zugang zum The­ma Diver­si­tät zu fin­den und das The­ma Kul­tu­rel­le Viel­falt in die klas­si­schen musea­len Auf­ga­ben zu inte­grie­ren und Kul­tu­rel­le Teil­ha­be zu ermög­li­chen.

Der Muse­ums­ver­band für Nie­der­sach­sen und Bre­men e.V. ver­folgt das Ziel, Kul­tu­rel­le Viel­falt und Teil­ha­beer­mög­li­chung in der Ein­wan­de­rungs­ge­sell­schaft in die Muse­en in Nie­der­sach­sen und Bre­men hin­ein­zu­tra­gen. Dabei unter­stützt der Ver­band die Muse­en mit einer Vor-Ort-Bera­tung bei der diver­si­täts­ori­en­tier­ten Team­bil­dung, Erschlie­ßung neu­er Ziel­grup­pen und der Ver­mitt­lung von För­der­pro­gram­men zur Inte­gra­ti­on von geflüch­te­ten Men­schen.

Nähere Informationen

Necaat­tin Ars­lan
Pro­jekt­lei­ter „Muse­en ver­bin­den Wel­ten“
Muse­ums­ver­band für Nie­der­sach­sen und Bre­men e.V.
Tele­fon: +49 (0)511/ 214 498–47 (Durch­wahl)
E‑Mail: necaattin.​arslan@​mvnb.​de

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