Kulturstiftung des Bundes fördert hochkarätiges Jubiläumsprogramm des Ensemble Modern

360° – Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft mit 39 Kulturinstitutionen verschiedener Sparten nun komplett

Am gest­ri­gen Mitt­woch fand sich der Stif­tungs­rat der Kul­tur­stif­tung des Bun­des unter Vor­sitz von Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin Prof. Moni­ka Grüt­ters zu sei­ner 35. Sit­zung ein und bewil­lig­te neue Vor­ha­ben in einem För­der­um­fang von 5,1 Mio.Euro.

Die Kul­tur­stif­tung des Bun­des för­dert das in Frank­furt am Main ansäs­si­ge Ensem­ble Modern seit 2004 als einen ihrer kul­tu­rel­len Leucht­tür­me. Anläss­lich sei­nes 40jährigen Grün­dungs­ju­bi­lä­ums im Jahr 2020 will das Ensem­ble Modern in einem ganz­jäh­ri­gen Zyklus den Facet­ten­reich­tum sei­nes musi­ka­li­schen Wir­kens, mit dem es zur trei­ben­den Kraft der jün­ge­ren Musik­ge­schich­te wur­de, im In- und Aus­land prä­sen­tie­ren. Der Zyklus rückt cha­rak­te­ris­ti­sche Aspek­te des Ensem­bles in den Vor­der­grund: die inten­si­ve Zusam­men­ar­beit mit Kom­po­nis­tin­nen und Kom­po­nis­ten, die Suche nach Auf­füh­rungs­for­men und ‑orten, in denen Werk und Ensem­ble neu erleb­bar wer­den oder die Ska­lier­bar­keit der Orches­ter­be­set­zung. Die Kul­tur­stif­tung des Bun­des för­dert das Jubi­lä­ums­pro­gramm mit zusätz­lich 400.000 Euro. Neben dem „Klas­si­ker“, Hei­ner Goe­b­bels’ Stück Schwarz auf Weiß, das erst­mals nach 12 Jah­ren wie­der in Deutsch­land auf die Büh­ne kommt, kommt das sel­ten auf­ge­führ­te, epo­cha­le Werk Les Espaces Acous­tique von Gérard Gri­sey zur Auf­füh­rung und geht unter Lei­tung von Syl­va­in Cam­bre­ling auf Tour­nee durch Deutsch­land. Wegen der zen­tra­len Bedeu­tung des Wer­kes von Anton Webern für das Ensem­ble Modern wird unter Lei­tung des Kom­po­nis­ten und Diri­gen­ten Enno Pop­pe das Kon­zert­pro­jekt Anton Webern und das 21. Jahr­hun­dert, ein musi­ka­li­scher Dia­log von heu­ti­gen Kom­po­nis­tin­nen und Kom­po­nis­ten mit Anton Webern, rea­li­siert. Mit Black Voices in Con­tem­pora­ry Music wird das Ensem­ble Kom­po­nis­tin­nen und Kom­po­nis­ten der afri­ka­ni­schen Dia­spo­ra u.a. mit einem Kon­zert in der Alten Oper Frank­furt wür­di­gen. Das umfang­rei­che Pro­gramm wird ab Herbst 2019 bekanntgegeben.

Nach der För­de­rung von 17 Kul­tur­ein­rich­tun­gen in der 1. För­der­run­de des Pro­gramms 360° – Fonds für Kul­tu­ren der neu­en Stadt­ge­sell­schaft im ver­gan­ge­nen Jahr stimm­te der Stif­tungs­rat nun der Aus­wahl von wei­te­ren 22 Insti­tu­tio­nen aus allen Tei­len Deutsch­lands zu. Soge­nann­te Agent/​innen wer­den wei­te­re zehn Muse­en, acht Thea­ter, drei Biblio­the­ken sowie ein Sym­pho­nie­or­ches­ter bei der Zusam­men­ar­beit mit migran­ti­schen Orga­ni­sa­tio­nen, der Ent­wick­lung neu­er Teil­ha­be­kon­zep­te und der inter­kul­tu­rel­len Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lung unter­stüt­zen. In der jet­zi­gen 2. För­der­run­de wur­den in der Spar­te Thea­ter das Badi­sche Staats­thea­ter Karls­ru­he, das Düs­sel­dor­fer Schau­spiel­haus, das Meck­len­bur­gi­sche Staats­thea­ter Schwe­rin, das Natio­nal­thea­ter Mann­heim, das Tha­lia Thea­ter in Ham­burg, das Nie­der­säch­si­sche Staats­thea­ter Han­no­ver, das Thea­ter Bie­le­feld sowie das Thea­ter Ober­hau­sen aus­ge­wählt. In der Spar­te Lite­ra­tur wer­den die Münch­ner Stadt­bi­blio­thek, die Stadt­bi­blio­thek Wis­mar sowie die Ernst-Abbe-Biblio­thek Jena geför­dert. In der Spar­te Muse­en erhiel­ten das Stadt­mu­se­um Ber­lin, das Muse­um für Isla­mi­sche Kunst in Ber­lin, das Kleist-Muse­um Frank­furt (Oder), das Alto­na­er Muse­um Ham­burg, das Hes­si­sche Lan­des­mu­se­um Kas­sel, das Deut­sche Film­in­sti­tut Frank­furt (Main), das Lan­des­mu­se­um Natur und Mensch Olden­burg, das Rau­ten­strauch-Joest-Muse­um Köln, das LWL-Indus­trie­mu­se­um Hen­richs­hüt­te sowie das Muse­um der bil­den­den Küns­te Leip­zig den Zuschlag. In der Spar­te Musik wird die Deut­sche Staats­phil­har­mo­nie Rhein­land-Pfalz geför­dert. Die Häu­ser erhal­ten För­de­run­gen von je bis zu 360.000 Euro.

In der antrags­ge­bun­de­nen All­ge­mei­nen Pro­jekt­för­de­rung emp­fahl die Jury 30 Pro­jek­te mit einer Gesamt­för­de­rung von 4,7 Mio. Euro, dar­un­ter „Artists & Agents“, ein Aus­stel­lungs­pro­jekt des Dort­mun­der Hart­wa­re Medi­en­Kunst­Ver­eins, das die Repres­sa­li­en gegen Per­for­mance-Künst­ler in den ehe­ma­li­gen Ost­block­staa­ten durch die Geheim­diens­te the­ma­ti­siert. — Die Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­le­rin Hei­ke Gfre­r­eis ent­wirft unter dem Mot­to „Lite­ra­tur bewegt“ einen neu­en Typ von Lite­ra­tur­aus­stel­lung, der Tex­te und Samm­lungs­stü­cke aus dem Deut­schen Lite­ra­tur­ar­chiv Mar­bach per­for­ma­tiv in Sze­ne setzt. — Das Muse­um Kunst­pa­last Düs­sel­dorf prä­sen­tiert in sei­ner Schau „Foto­gra­fin­nen an der Front“ Bil­der von Kriegs­fo­to­gra­fin­nen, deren Objek­te und Moti­ve sich, ver­gli­chen mit denen ihrer meist bekann­te­ren männ­li­chen Kol­le­gen, durch ihren sen­si­blen Blick auf das mensch­li­che Elend aus­zeich­nen. — Die inter­dis­zi­pli­nä­re Aus­stel­lung „Future Food“ des Deut­schen Hygie­ne-Muse­ums Dres­den ent­wi­ckelt Visio­nen einer künf­ti­gen Ernäh­rung in der kos­mo­po­li­ti­schen Gesell­schaft. — Mit dem Oral-Histo­ry-Pro­jekt „Archiv der Flucht“ ent­steht am Ber­li­ner Haus der Kul­tu­ren der Welt ein digi­ta­ler Gedächt­nis­ort, der an Flucht und Migra­ti­on nach Deutsch­land im 20. und 21. Jahr­hun­dert erin­nert. — Gemein­sam mit über ein­hun­dert Tän­zern ent­wi­ckelt der chi­le­ni­sche Cho­reo­graf José Vidal das Stück „Emer­gence“, das sich mit der Dyna­mik mensch­li­cher Bezie­hun­gen in einer migra­ti­ons­be­dingt kul­tu­rell diver­sen Gesell­schaft befasst, auf Kamp­na­gel in Ham­burg. — Die Deut­sche Aka­de­mie für Spra­che und Dich­tungin Darm­stadt gibt eine neue Rei­he zwei­spra­chi­ger Antho­lo­gien mit Lyrik unter­schied­li­cher Län­der und Spra­chen Euro­pas her­aus, die von einer Lese-Tour­nee namens „Euro­pa im Gedicht“ quer durch Euro­pa flan­kiert wird. — „Game of Dro­nes“ heißt ein Aus­stel­lungs­pro­jekt des Zep­pe­lin Muse­ums in Fried­richs­ha­fen mit künst­le­ri­schen Posi­tio­nen zu den Poten­zia­len und Risi­ken der Droh­nen­tech­no­lo­gie. — Das Mor­gen­land Fes­ti­val Osna­brück prä­sen­tiert her­aus­ra­gen­de Ver­tre­ter der tra­di­tio­nel­len Musik aus Aser­bai­dschan, der Tür­kei, Syri­en und dem Iran, die auf Kom­po­si­ti­ons- und Impro­vi­sa­ti­ons­sti­le der west­li­chen expe­ri­men­tel­len Musik tref­fen. — In neu­en künst­le­ri­schen Arbei­ten und einem brei­ten Ver­mitt­lungs­pro­gramm befasst sich das inter­na­tio­na­le Fes­ti­val „The Wei­mar Repu­blic of Yid­dish­land“ des Ver­eins other musicin Wei­mar mit der jid­di­schen und jüdi­schen Kul­tur der 1920er Jah­re. — Ins Zen­trum ihrer künst­le­ri­schen Recher­che „Bil­der­schlach­ten“ rücken die Cho­reo­gra­fin Ste­pha­nie Thierschund die Kom­po­nis­tin Bri­git­ta Mun­ten­dorf ein Werk Bernd Alo­is Zim­mer­manns, das sie erst­mals mit zeit­ge­nös­si­schem Tanz, klas­si­schem Bal­lett und Urban Dance für die Büh­ne auf­be­rei­ten. — Die Leip­zi­ger Hal­le 14 tritt mit ihrer Schau „Isla­mi­sche Auf­klä­rung“ dem Vor­ur­teil ent­ge­gen, Islam und Auf­klä­rung sei­en dia­me­tra­le Gegen­sät­ze, und unter­sucht dazu die viel­fäl­ti­gen Bezü­ge zwi­schen beiden.